der tänzer des jahres I

carsten jung ist einer von ganz wenigen Ersten Solisten deutscher Herkunft. Der Mann aus Gotha tanzt kerlige Klischees, doch zugleich leuchtet sein Liliom am Hamburg Ballett als hinreißend verwundete Seele.

Bei ihm schwitzt der Tanz. Er ist ein Arbeiter, erdenschwer. Nicht schwerfällig, denn springen kann er. Und wie. Aber er ist einer, bei dem es physisch immer um alles oder nichts geht. Carsten Jung kann elegant sein, mondän sogar, macht bella figura, ist in vielen Rollen zu Hause, aber meist verkörpert er den Kerl, nicht den Epheben, den Jungen aus dem Volk und nicht den Prinzen, den düsteren, aber markanten Mann im Schatten und nicht den sterbensmüden Monarchen. Ein Tänzer also, wie er untypisch ist für die Kompanie von John Neumeier.

Beim Hamburg Ballett gibt es viele Jünglinge und hauchzarte Ballettgeschöpfe, inzwischen auch diverse filigrangliedrige Asiaten. Aber so ein Bild von einem Mann, der sich auch auf der Straße bewähren könnte, gab es dort eigentlich nur einmal, mit Gamal Gouda – und der war exotisch.

Seltsam, wenn einem der 37-jährige, offen neugierig dreinblickende Carsten Jung dann begegnet, ist die teutonische Testosteronschleuder von der Bühne ganz weit weg. Da sitzt ein gar nicht so riesengroßer, gut proportionierter, immer noch jugendlicher Mann mit kantig geschnittenem, sehr sympathischem, von feucht gegelten Lockenhaaren umspieltem Gesicht, aus dem die Augen ...

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Tanz Jahrbuch 2012
Rubrik: die saison 2011/2012: winnners, Seite 128
von Manuel Brug