Suspiria
Damien Jalet, in «Suspiria» sind sämtliche Tanzlehrerinnen Hexen. Das Böse macht den unschuldigen Elevinnen einer privaten Ballettschule ordentlich Beine. Will man so etwas wirklich choreografieren?
Natürlich, ja! «Suspiria» von 1977 ist einer meiner Lieblingsfilme. Die Idee, Hexenkunst und Tanz zu verbinden, ist doch großartig. Man denkt gleich an Mary Wigmans «Hexentanz». Als ich vor zehn Jahren in Mexiko eine Raubkopie von «Suspiria» kaufte, hat mich das zu meinem Stück «Les Médusés» inspiriert.
Es kam 2013 mit dreißig Tänzern im Pariser Louvre heraus.
Medusa als Hexe?
Medusa ist eine der drei Gorgonen in der griechischen Mythologie. Im Französischen bedeutet «méduser» so viel wie «jemanden anstarren». Es ist ein Blick, der einen tötet oder in Stein verwandelt. Hexenkunst. Ich war in Indonesien. Rangda heißt die kinderfressende Hexe dort. Sie führt eine von ihr verfluchte Armee gegen die Götter oder das Gute an. Darum geht es auch in «Les Médusés» und in «Suspiria», überhaupt in vielen Mythen der Welt: Menschen werden mit einem Fluch belegt und in Bäume, Hirsche, Frösche verwandelt. Vielleicht sind auch die Skulpturen im Louvre nichts als verfluchte Menschen, die nun reglos in ...
Damien Jalet, in Belgien geboren, ist kein Einzelgänger. Er bezeichnet sich als «kollaborierenden» Choreografen, der 2016 «Babel (words)» gemeinsam mit Sidi Larbi Cherkaoui im Set von Antony Gormley in Avignon präsentierte. Mit Sidi Larbi Cherkaoui und Marina Abramovic entstanden zuletzt «Pelléas et Mélisande» für die Oper in Antwerpen und «Boléro» am Pariser Opernballett. Jalet ist künstlerischer Leiter der UK National Youth Dance Company und Artist in Residence am Théâtre National de Bretagne. Sensationell war sein «Skid» von 2017: Die Tänzer der GöteborgsOperans Danskompani tobten halsbrecherisch auf einer 34 Grad geneigten Bühnenschräge.
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Tanz November 2018
Rubrik: Tanz im Kino, Seite 4
von Arnd Wesemann
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