song & dance

So authentisch der Pop, der Rock, auch sein will, der Tanz steht ihm nicht nach. Wer seine Sehnsucht nur an Rock ’n’ Roll stillt, kennt nicht die Freiheit des Tanzes.

Zwillinge: Musik und Tanz. Together forever. Ob Johann Strauß oder Rolling Stones, beim zweiten Takt schwingen die Hüften. Aber es ist ein Machtgefälle in der Beziehung. Die Musik hat den Tanz nie gebraucht. Er hat sich der Musik angedient. Tanzschritte folgen ihrem Diktat. Sie sind Stiefgeschwister.

Wie reagiert der Tanz? Emotional. Dass der Tanz deshalb unbeherrscht und der Tänzer frei sei, ist Blödsinn. Immer ringt er um Fassung. Es bleibt Sehnsucht. Um sie zu bezwingen, hat der Tanz Tradition, Training, Selbstüberwindung – und die Musik.

Wenn er bei all der Disziplin von Hingabe träumt, wer wollte ihm das verdenken?

Auch die Musik ist nicht frei per se.
Darum hat sie die Rockmusik erfunden. Ein wilder, zügelloser Bastard, der keine Grenzen kennen will und keine Angst hat vor dem Tod; vor dem Verlust körperlicher Leis­tungsfähigkeit schon gar nicht. Sein Habitus, entsprechend, die seligmachende Dreifaltigkeit: Sex, drugs, and rock ’n’ roll.

Ein aufreizender Pas de deux mit dem Mikrofon, die Luftgitarre umkrallt wie im Gebet, wilde Gebärden, zum schrillen Schrei aufgerissene Münder, der Griff in den Schritt, der erigierte Mittelfinger, sogar die Sonnenbrillen gegen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2008
Rubrik: Pop, Seite 8
von Katja Werner

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ralf Dörnen «Brahms Requiem»

«Sie gehen daher wie ein Schemen», heißt es im Text. Schattengleich erscheinen darum Menschen, die erst in der Erinnerung wieder erkennbare Gestalt gewinnen. Diese «Geisterbeschwörung» positioniert Ralf Dörnen zunächst unter einem Podest, auf dem die Gesangssolisten, der Chor und das Philharmonische Orchester Vorpommern Platz genommen haben. Völlig in diesem...

Eric Gauthier

Lieder für den Morgen danach, alles klar. Bluesig, leise, Pausen für bedächtige Züge an der ersten Zigarette. Bei jeder zu schnellen Bewegung jault der Kater in den schwarzen Kaffee. Gedächtnislücken und Augenringe am sehr späten Vormittag. Die vage Erinnerung an diese Blondine und ihr Grinsen, als ihr Schrank dich vom Barhocker gepustet hat. Halt dich an deine...

Alicia Alonso: “Don Quixote”

The horse is a skeleton, a sculptor’s model for an equestrian monument – the rider is real. A sad, lean figure, his sidekick short and fat; when we see the pair on the stage of the Royal Theatre in Copenhagen, we know this is the story of the man of La Mancha who fights windmills. The veiled lady in red velvet is the Dulcinea of our knight errant’s dreams. The...