skandinavien: Gudjónsdóttir, Schubot: «Blind Spotting»

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Sogar die vier feuerroten Theatervorhänge, die streng hintereinander hängen, sind erschöpft. Sie öffnen und schließen sich wie müde Augen. Ihre Schlitze hängen schräg im Raum, geben den Blick frei auf die acht Performer: lauter Blindgänger. Sie gehen ohne Augen. Eine schlafwandelt in rosaroter Kleidung. Eine hebt am Ende ihrer Kräfte die Wasserflasche, führt sie zum Mund. Ihre Co-Choreografin Angela Schubot reißt sehr langsam die Arme empor, markiert so den Moment, an dem sie stürzen wird. Ihr Mund ist halb geöffnet.

Auch bei anderen wirkt der Mund stets geformt wie ein Zeichen der Ohnmacht. Oder als Zeichen der Erotik. Ein Mund küsst die Wassertrinkerin. Da rinnt ihr das Wasser aus der Flasche, als würde sie sich entleeren. Ihre Beine geben nach, die Knie tanzen in der Pfütze.

Es sind Bilder wie aus einem Marionettenspiel. Eine schwarz-weiß Gekleidete, die Hände in den Hosentaschen, schreitet. Ein Mann kriecht auf allen vieren und hyperventiliert. Niemand bewegt sich wie von selbst. Immer geben erst Vorhänge den Blick frei: auf eine Frau im Bikini, deren Augen in Sehnsuchtsferne starren. Eine andere im schwarzen Kleid taucht in ihr Blickfeld, eine Hand gehoben, bereit zur ...

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Tanz August/September 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 74
von Arnd Wesemann

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