skandinavien: Gudjónsdóttir, Schubot: «Blind Spotting»

Tanz - Logo

Sogar die vier feuerroten Theatervorhänge, die streng hintereinander hängen, sind erschöpft. Sie öffnen und schließen sich wie müde Augen. Ihre Schlitze hängen schräg im Raum, geben den Blick frei auf die acht Performer: lauter Blindgänger. Sie gehen ohne Augen. Eine schlafwandelt in rosaroter Kleidung. Eine hebt am Ende ihrer Kräfte die Wasserflasche, führt sie zum Mund. Ihre Co-Choreografin Angela Schubot reißt sehr langsam die Arme empor, markiert so den Moment, an dem sie stürzen wird. Ihr Mund ist halb geöffnet.

Auch bei anderen wirkt der Mund stets geformt wie ein Zeichen der Ohnmacht. Oder als Zeichen der Erotik. Ein Mund küsst die Wassertrinkerin. Da rinnt ihr das Wasser aus der Flasche, als würde sie sich entleeren. Ihre Beine geben nach, die Knie tanzen in der Pfütze.

Es sind Bilder wie aus einem Marionettenspiel. Eine schwarz-weiß Gekleidete, die Hände in den Hosentaschen, schreitet. Ein Mann kriecht auf allen vieren und hyperventiliert. Niemand bewegt sich wie von selbst. Immer geben erst Vorhänge den Blick frei: auf eine Frau im Bikini, deren Augen in Sehnsuchtsferne starren. Eine andere im schwarzen Kleid taucht in ihr Blickfeld, eine Hand gehoben, bereit zur ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 74
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
antigone sr.

Es gibt sie in acht Größen, Trajal Harrells Serie «Twenty Looks or Paris is Burning at the Judson Church». Das teilt der Choreograf zu Beginn der Vorstellung seinem Publikum mit und kündigt «Antigone Sr.» als Large-Version an. Es gibt also auch kleinere Ausgaben, eine XL-Fassung sowie eine mit individuellem Zuschnitt. Harrell betreibt diese clevere...

Die Lehrerin: Anja Bornšek

Was verbirgt sich hinter «Physical Introduction»?
Das habe ich letztes Jahr beim Festival «Tanz im August» zum ersten Mal ausprobiert. Erst mal geht es darum, das Publikum zu einer körperlichen Erfahrung einzuladen. Das dauert eine Stunde und findet ein oder zwei Stunden vor einer Abendvorstellung statt. Es ist offen für jedermann. Tanzerfahrung ist keine nötig,...

virve sutinen

Die Finnin Virve Sutinen nennt sich ein «Sommerkind». Warum sie denn nicht nach Südfrankreich gehe, werde sie gelegentlich gefragt. Montpellier kann ja noch kommen. Jetzt kuratiert Sutinen erst einmal zwei Ausgaben von «Tanz im August» für das Berliner Theaterkombinat Hebbel am Ufer. So lange die öffentliche Finanzierung zugesichert ist. «Ich arbeite mich langsam...