sisyphos war eine frau
«I love my body». Die Afro-Schönheit räkelt sich im Scheinwerferlicht. Sie verschwindet hinter einer Stoffbahn, um kurz darauf ihren blanken, vibrierenden Po durch einen Schlitz im Gewebe zu präsentieren – wie ihre beiden Mitstreiterinnen. Wow. Dabei hat Yanelis Brook-Sanchez eben noch verzweifelt geschluchzt und Elia López panisch geschlottert. Maura Morales ist derweil schon mal in heiße Dessous geschlüpft. Scheitern so Frauen?
«Sisyphos war eine Frau» lautet der Titel der neuen Produktion der Tänzerin und Choreografin Maura Morales.
Uraufgeführt zum «Move!»-Festival in Krefeld, gibt sie Rätsel auf. Denn als Inbegriff der Büßerin kommt einem keines der drei Weibsbilder vor. Sie sind eher so etwas wie Überzeugungssünderinnen. Als Parallele drängt sich das Motiv des Abgrunds auf, an dem sich sowohl der griechische Heros als auch die drei Aphroditen bewegen. Während der Mann aus der Antike unermüdlich einen Felsbrocken einen Berg hinaufrollt, der ihm immer wieder kurz vor dem Gipfel entgleitet, wandeln die Damen an der Grenze zu dunkler Erotik und Ekel.
So zeigen Nahaufnahmen auf einem Leinwand-Streifen, wie nahe Schönheitspflege, Selbstverstümmelung und Abscheu beieinander sein ...
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Tanz März 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Bettina Trouwborst
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