ziemlich beste feinde

Musik und Ballett gingen mal Hand in Hand. Aber so richtig auf Augenhöhe waren sie nie miteinander. Inzwischen unterhalten sie ganz offen: ein zerrüttetes Verhältnis

Eine der Szenen, die Gérard Corbiaus Film «Le Roi Danse» zum Kassenerfolg verhalfen, erlaubt einen Blick in die Wiege des klassischen Balletts. Sie zeigt Louis XIV., 14-jährig, wie er, mit dem berühmten vergoldeten Strahlenkranz auf dem Kopf, aus der Versenkung auftaucht, während ringsherum künstliche Vulkane Feuerregen sprühen. Bevor sich der Aufzug, der ihn nach oben befördert, in Bewegung setzt, flüstert er drei Worte: «Kraft, Vergnügen, Licht».


 
Auf der Bühne angekommen, wirkt sein Tanz deprimierenderweise nur mehr wie eine Karikatur dieses schönen Mantras: ferngesteuert, düster. Er stampft auf der Stelle, reduziert auf eine Geste, zwei Positionen, die Füße kleben unfroh am Boden. Die statisch an Schlag eins des Taktes festgetackerte Musik, die wir dazu hören, ist eine Notlösung. Weil nämlich die Noten, zwar nicht alle, aber eben doch leider die zu den Tanzsätzen des von Kardinal Mazarin im Februar 1653 veranstalteten «Ballet Royal de la Nuit», in dem der junge Louis aus Gründen der Staatsräson erstmals als Phöbos Apoll in einem Ballet de cour auftrat, verschollen sind. Also hat sich Reinhard Goebel, der mit dem Ensemble Musica Antiqua Köln für den Soundtrack des Films sorgte, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Sinne, Dramen, Klang, Seite 98
von Eleonore Büning