ins tiefe dunkel

Die Oper gilt als das Gefühlskraftwerk schlechthin. Musik lässt sich aber intensiver und wahrhaftiger erleben, wenn alle Scheinwerfer aus sind. Meint die Regisseurin

In einem Interview zu meinem letzten Stück «Now I Lay Me Down» fragte mich die Gesprächspartnerin: «Holen Sie mit Ihren Arbeiten in lichtlosen Räumen durch die Hintertür die Große Oper zurück?» Ich war total verblüfft, verstand zunächst gar nicht, warum eine musikalische Performance – in dem Fall ohne Gesang – in einem lichtlosen Raum «Große Oper» sein sollte: «Große Oper», die Verbindung aller Künste in meist monumental inszenierten aufwändigen Bildern! Was hatte das mit meinen intimen Choreografien von Musikstücken inmitten von liegenden Menschen zu tun?

Me

ine Einführung in die Oper erfolgte durch Wagners «Lohengrin» mit Musicalstar, Rocksänger und Heldentenor Peter Hofmann an der berühmten Metropolitan Opera in New York. Der Besuch verdankte sich der liebevollen elterlichen Idee, uns – Sprösslinge einer ansonsten wenig musikgeneigten Familie – auf allerhöchstem Niveau mit dem Musiktheater bekannt zu machen. Ich war ungefähr zwölf Jahre alt, mitten in der Pubertät, ich hatte Not mit Pickeln und den wachsenden körperlichen Attributen einer Frau, die ich noch nicht kannte und mit denen ich gar nichts anzufangen wusste. Ich war verwirrt von überwältigenden Emotionen und dem Gefühl, ...

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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Sinne, Dramen, Klang, Seite 87
von Sabrina Hölzer