Serie Tanz-Moden: Titanias Tutu

In der Volksoper Wien läuft «Ein Sommernachtstraum» von Jorma Elo mit dem Wiener Staatsballett. Das mit dem Benois de la Danse ausgezeichnete Ballett kam 2010 in der Wiener Staatsoper zur Uraufführung. Auch die Kostümbildnerin hätte diesen Tanz-Oscar verdient gehabt: Sandra Woodall ließ sich von der Natur inspirieren, Moose, Flechten, Pilze, Schmetterlingsflügel und Tierfellmuster finden sich auf dem Tutu der Titania. Woodall legte die Organismen quasi unters Mikroskop, um sichtbar zu machen, was mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen ist.

Es wirkt, als hätte sie in den Körper selbst hineingeforscht, um Knochenstrukturen und Zellaufbauten zu zeigen.

Auch unter der Oberfläche des Tutus finden sich jede Menge ungewöhnliche Strukturen und Aufbauten. Das hier ist keines jener gebräuchlichen Exemplare, die in Schichten von eingekraustem Tüll zu runden Tellern werden. Vielmehr liegen zwischen einer steifen Gaze aus Perlondraht und Goldtüll elliptische Plastikreifen, die so angeordnet sind, dass das Tutu nicht nur steht, sondern sich in einer Welle biegt.

Um diese Welle zu kreieren, muss man ein genaues Verhältnis von Zug und Druck zwischen den Reifen, der Gaze und dem Obermaterial ...

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Tanz Juni 2013
Rubrik: praxis, Seite 72
von Stephanie Bäuerle und Melanie Jane Frost

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