Serie: Master-Macher – Vera Sander, Zentrum für zeitgenössischen Tanz, Köln

Eine Tanzhochschule als locus amoenus – und locus terribilis: Über den Hof der 1909 errichteten Volksschule hallen Klaviertöne, eine Fensterfront gibt Einblick in den sonnendurchfluteten Ballettsaal. Eine Gruppe Tänzer übt dort allein mit Repetitor klassische Ballettsequenzen in der Diagonalen. Lachende, erhitzte, anmutige Jugend – eine Szene, fast zu idyllisch, um wahr zu sein.

Denn kaum betritt man das Gebäude, das sich das Zentrum für Zeitgenössischen Tanz (ZZT) mit einem Bürger- und einem Flüchtlingszentrum sowie der Rheinischen Musikschule teilt, wähnt man sich eher in einem Gruselfilm: Ein düster-abgewracktes, herrschaftlich-breit gebautes Treppenhaus, die patinagrünen Wände sehen aus, als hätten sie die Schüler früher mit Kakao­tüten beworfen. Das ist noch die harmloseste Assoziation für den Farbsiff auf dem Gemäuer dieses Gebäudes, das im Zweiten Weltkrieg auch als Reservelazarett und Zwangsarbeiterlager genutzt wurde. Ausgetretene Linoleumstufen, abgeschlagener Putz, marode Sanitäranlagen. Wer glaubt, die beste Kunst entstehe aus Degout und Depression, ist hier richtig. Vier Stockwerke geht es hoch, dann kommt man in den Flur des ZZT und damit in angenehme Lernumgebung: ...

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Tanz Januar 2015
Rubrik: praxis, Seite 72
von Nicole Strecker

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