Zurück zum aufrechten Gang

Die Begegnung mit Tanz hilft der Wissenschaft, die Evolution wirklich zu verstehen.

Als Wissenschaftler erforsche ich die Morphologie des Körpers. Die evolutionistische Morphologie vergleicht Skelette und zieht meist aus der Form des Oberschenkelknochens Rückschlüsse auf die Fähigkeit einstiger Lebewesen zum aufrechten Gang. Generell schließt man von der Form auf die Art der Fortbewegung und vergisst, dass auch das Verhalten die Fortbewegung wesentlich beeinflusst. Biometrie und Laservermessung, mit denen wir heute arbeiten, helfen wenig. Wie bewegte sich der Urzeitmensch wirklich? Seit zwanzig Jahren beobachten wir Schimpansen und Gorillas.

Die Oberschenkelknochen der Bonobos sind denen der Schimpansen absolut ähnlich. Aber die Bonobos gehen oft aufrecht, die Schimpansen nie. Warum? Genau hier liegt für mich die Schnittstelle zum Tanz.
Vor drei Jahren traf ich den Choreografen Michel Hallet-Eghayan. Ich sollte einen Vortrag über den Ursprung der Menschheit halten und Michel ein Solo zeigen, das vom Mythos des Gilgamesch inspiriert war, immerhin der älteste erhaltene Mythos der Menschheit. Da habe ich ihn darum gebeten, dass wir uns vorher austauschen, damit ich meinen Vortrag seiner Choreografie anpassen konnte. Wir verstanden uns sofort. Michel schuf extra eine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2006
Rubrik: Science through dance, Seite 24
von Pascal Picq

Vergriffen