Reine Räume

Der Münchner Choreograf Micha Purucker über die Dimensionen des Raums in der Vorstellung und im Denken und warum der Raum keine leere Schachtel ist

«wenn mein arm auf dem tisch ruht, werde ich nie auf den gedanken kommen zu sagen, er liege neben dem aschenbecher, so wie der aschenbecher neben dem telefon steht.»1

gibt es einen außenraum ohne einen innenraum? geht beides auseinander hervor? wären raumvorstellungen ohne unsere praktische räumliche erfahrung vorstellbar? wohl kaum. merleau-ponty: «der raum wie die wahrnehmung überhaupt markieren im innersten des subjekts das faktum seiner geburt, den beständigen beitrag seiner leiblichkeit, eine kommunikation mit der welt, die älter ist als alles denken.

»
«es ist dem raum wesentlich, je schon konstituiert zu sein, und nie vermöchten wir ihn zu verstehen, zögen wir uns in eine wahrnehmung ohne welt zurück.»2

auch der kirchenbauexperte herbert muck sieht die entstehung, verankerung von raum im körperlichen und damit in der konkreten lebenswirklichkeit: «der zugang zu den dimensionen des raums führt über das leibgefühl.»
«nach piaget sind raumvorstellungen internalisierte bewegungen.»3

dann aber sind ideen eines homogenen, reinen raumes, wie sie in der physik und mathematik vorrangig sind, derivate, ableitungen lebensweltlicher praxis. die erfahrung des reinen raums ist uns nicht ...

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Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 98
von Micha Purucker

Vergriffen