Teppiche

Der Garten ist ein Teppich, auf dem die ganze Welt ihre symbolische Vollkommenheit erreicht, und der Teppich ist so etwas wie ein im Raum mobiler Garten. Sagt Michel Foucault. Und Christina Ciupke tanzt darauf

Teppiche waren ursprünglich Reproduktionen von Gärten: der Garten ist ein Teppich, auf dem die ganze Welt ihre symbolische Vollkommenheit erreicht, und der Teppich ist so etwas wie ein im Raum mobiler Garten. Sagt Michel Foucault.

Als der Teppich in der Mitte des Pro­ben­raums lag, war er sofort unser Spielfeld. Wir suchten uns einen Ausgangspunkt und fingen an, den Mitspieler unseres choreografischen Dialogs zu untersuchen.

Der Teppich bringt ungewohnte Farbe in den Raum, und eine veränderte Akustik. Ich probiere das Gehen, Sitzen und unterschiedliche Positionen.

Auf der gemusterten Fläche rieche ich den Geruch von lang angesammeltem, tief in der Struktur verborgenem Staub. Seine Fasern fühlen sich dicht, rau und leicht klebrig an. Weich und widerspenstig zugleich. Wir geben uns Anweisungen. «Kannst du aufstehen und dich noch einmal hinlegen?» Auch nach einer Weile bleibt das neue, veränderte Terrain undefinierbar. Die Textur verhindert das sichere Abrollen, Stehen und Gehen. Der Boden verschiebt sich bei der kleinsten Bewegung. Unsere Schritte werden absorbiert, die Bewegungen verändern ihre Qualität. Sie werden bewusster, überlegter und leiser. Die veränderte Akustik markiert ...

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Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 112
von Christina Ciupke

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