Dialoge

Die Tänzerin ist nicht allein. Sie ist im Raum. Anna Huber sucht sich ihn mit Vorsicht aus. Um den Widerstand des Raums zu brechen, verschmilzt sie mit der Architektur. Irene Sieben hat sie dabei beobachtet

Früh morgens kurz nach sechs – Nebelschwaden huschen über das Tal von Vals. 1252 Meter hoch liegt das Bündner Bergdorf und doch so tief, dass die Sommersonne erst weit nach neun über den fast 3000 Meter hohen Schweizer Piz Tomül hinüberblitzt. Im weißen Frotteemantel harren wir der Erfüllung nächtlicher Träume. Der Bademeister führt in den düsteren Kern der Therme – jener Ort, der weltweit zum heimlichen Kulturschatz der Architektur erhoben wird – hinab zum Fuß des Piz Auls, zur St.-Peters-Quelle.

Durch die Schleuse tauchen wir, knapp vierzig wirklich Neugierige, ein in wohlige 30 Grad und gleiten hinaus in die Kälte des alpinen Morgens. Heilendes Wasser aus einer der vielen Quellen hier, die dem Rhein zufließen. Dampf vor Augen, erscheint auf der grau-grünlich-silber schimmernden Schieferplattenarchitektur Peter Zumthors ein filigranes Wesen. Nicht im Badedress wie wir, auch nicht im Wanderlook. Eher die Essenz eines Trolls in orangefarbenem Anzug, der den Stein behütet. Oder auch Pinocchio, im Begriff seine Glieder zu ordnen, die rechten Winkel denen der Böden, Wände und Durchblicke zuzuordnen, sie abzutasten, sich abzustoßen, an ihrer Eckigkeit Kraft zu gewinnen, ihre ...

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Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 36
von Irene Sieben

Vergriffen