Schlüsselloch

Autor und Tänzerin im Lockdown. Von Moritz Rinke

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Ein Tag im Winter 2021. Im Homeoffice. Schriftsteller sind ja seit circa 2500 Jahren im Homeoffice, wir sind gewissermaßen die Gründungsväter des Homeoffice. Man solle das Homeoffice verantwortungsvoll nutzen, hat der Bundespräsident gesagt. Tolstoi konnte das, der hatte sogar 13 Kinder im Homeoffice und hat dabei noch «Krieg und Frieden» geschrieben. Normalerweise geht mein Sohn zur Kita, die Tochter noch nicht.

Meine Frau ist Tänzerin, normalerweise probt sie ihre Choreografien woanders, aber sie ist jetzt auch im Homeoffice und studiert in meinem Arbeitszimmer eine Performance ein, während ich gerade in der Küche versuche, meinen Roman zu schreiben.

Mein Sohn schaut seit dem Lockdown am liebsten Schlachten der Römer, nachgestellt mit Playmobilfiguren auf YouTube. Die Kleine schaut mit, was ich nicht so gut finde, weil dazu richtige Schreie eingespielt werden, gerade schreien die Westgoten. Ich springe auf, weil ich vergessen habe, den Kindern Vitamin D zu geben, in diesen Zeiten soll man ja an Vitamin D denken.

Das Telefon klingelt. Für meine bereits dreimal verschobene Beethoven-Theater-Premiere ruft der Regisseur an und will über eine Umbesetzung sprechen, weil der ...

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Tanz Jahrbuch 2021
Rubrik: Unterwegs, Seite 74
von Moritz Rinke

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