Schisma

In der bildenden Kunst diskutiert man über Spaltungstendenzen. Gilt das auch für den Tanz?

Was ist ein Schisma?
«Freiheit oder Sozialismus» war die bekannteste schismatische Losung des 20. Jahrhunderts. Ein Schisma, so nennt man – abgeleitet aus der Kirchengeschichte – eine tiefe, unüberwindbar wirkende Spaltung in der Gesellschaft. Schisma heißt: radikale Abspaltung. Den Anfang machte in Deutschland Martin Luther. Er brach mit der Kirche. Als Katholikin einen Protestanten heiraten zu wollen, war in Deutschland bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten unmöglich.

Ein protestantisch geprägter Mann konnte eine katholisch erzogene Frau erst ehelichen, wenn beide ein alternatives Schisma betrieben. Das Paar trat dazu bestens einer kommunistischen Partei bei. Reflexhaft wurden darauf sowohl die Katholikin wie der Protestant exkommuniziert. 

Schismen erkennt man am einfachen Satzbau: Entweder bist du bei uns oder gegen uns. Katholisch oder protestantisch. Jude oder Arier. Links oder rechts. 1968 war so gesehen ein wichtiges Jahr für das Schicksal des Schismas. Eine vom Krieg traumatisierte Generation träumte von der Überwindung dieser Gegensätze. Theodor W. Adorno pflegte diesen Traum mit dem Begriff der Dialektik. Er pflegte ihn in einer Zeit, als der Ostblock jedes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juli 2018
Rubrik: Ideen, Seite 62
von Arnd Wesemann