Sankai Juku

Sankai Juku waren immer schon die Meister der Metamorphose. Jetzt entdeckt Ushio Amagatsu, dass der Tod davon ausgenommen ist.

Jeder Künstler kehrt irgendwann zurück zu seinen Wurzeln. Jahre-, jahrzehntelang produziert man für den Publikumsgeschmack oder den der Förderer und öffentlichen Geldgeber. Man bestätigt Erwartungen, die man selbst geschürt hat. Hinterfragt auch nicht mehr plakative Pauschalurteile, sondern reproduziert sie geflissentlich. Never change a winning style? Aber irgendwann hat es ein Ende mit der Selbstverleugnung, der ewigen Produktion von Hochglanz. Irgendwann zieht es sie alle zurück zu ihren Wurzeln. Oder zu einfacheren Formen, zur schlichten Realiltät.

Als würden dort ihre Wurzeln liegen.

Die fanden sich überraschend bei der jüngsten Premiere von Sankai Juku, die das Théâtre de la Ville in Paris verzauberte. Eine Ode an die Dunkelheit, an den Übergang vom Tag zur Nacht steckt in «Tobari». Das Wort bezeichnet in Japan zugleich den Vorhang, der einen Raum unterteilt. Ushio Amagatsus Untertitel lautet «Wie im unendlichen Fluss der Energie». Der Kosmos also. Selten sah man einen derart vollkommenen, hellen, leuchtenden Sternenhimmel im Theater. Dafür gab’s Ovationen wie sonst nur in der Oper. Schlicht, menschlich, verwundbar gibt sich die Truppe in diesem Stück. Statt Sankai Jukus mit ...

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Tanz Januar 2010
Rubrik: Premiere, Seite 30
von Thomas Hahn

Vergriffen
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