Die Liebhaber

Früher warfen verzückte Bewunderer Goldmünzen auf die Bühne, heute rücken sie den Angebeteten per Kamera, Netz und Like-Kultur zu Leibe. Umgekehrt jonglieren clevere Stars gekonnt mit den echten und virtuellen Liebesbeweisen ihrer Fans

Der Tänzerin Marie Sallé wurden 1734 in London Goldmünzen auf die Bühne geworfen, Voltaire verewigte sie in einem Gedicht. Die Verehrer der romantischen Ballerinen tranken Champagner aus deren Spitzenschuhen, zu Carlotta Grisis Bewunderern gehörten Théophile Gautier und Heinrich Heine. In Sankt Petersburg spannten Marie Taglionis Anbeter die Kutschpferde ihres Idols aus und zogen die Kutsche selbst. Anna Pawlowa wurde von Menschenmassen bis zu ihrem Hotel verfolgt und dort von Hymnen-Sängern belagert.

Heute posten Verehrerinnen schlicht «Stupendo» oder «Bellissimo!» auf Roberto Bolles Facebook-Seite und hinterlassen «A perfect dream!» bei Natalia Osipova. Ein exaltierter Personenkult wie einst wird nur mehr Popstars und Hollywoodgrößen zuteil. So wie auf Gedenkportalen virtuelle Blumenkränze für Verstorbene hinterlassen werden, wie das Online-Bestellen zeitintensives Anstehen nach Theaterkarten überflüssig macht – so ersetzt nun der «Like»-Button schon mal das voluminöse Blumenbouquet nach der Aufführung.

Aber die Tradition ist noch nicht mausetot, den Netz-Elogen schreiten immer noch reale Dankesgesten und Gunsterweise voran. Als solche haben sich bewährt: regelmäßige ...

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Tanz Dezember 2015
Rubrik: Report, Seite 62
von Angela Reinhardt