Renaissance

Sie ist der Inbegriff der Ballettromantik und erlebt derzeit eine Wiederauferstehung auf zahlreichen Bühnen: Über «Giselle»-Inszenierungen in Eisenach, Coburg, Hagen, München und Straßburg berichtet Hartmut Regitz

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Es sind nur ein paar Zeilen, die Heinrich Heine um 1836/7 in einem größeren Zusammenhang veröffentlicht. Aber ihre Wirkkraft ist ungeheuerlich.

Sein schönes Buch «De l’Allmagne» durchblätternd, stößt Théophile Gautier nur kurze Zeit später auf eine «bezaubernde Stelle», in der von den «Elfen in weißen Gewändern» die Rede ist, «von den Nixen, deren Satinfüßchen an der Decke des Brautgemachs erscheinen, von den Wilis mit der schneeweißen Haut bei ihrem unerbittlichen Tanz, von all jenen entzückenden Erscheinungen» eben, die Heine angeblich «am Ufer der Ilse im samtenen Nebel des deutschen Mondenscheins begegnet sind». Und in einem «Anfall von Begeisterung» greift sein französischer Kollege, wie er Heine in einem 1841 veröffentlichten Brief wissen lässt, zu einem großen Bogen Papier und schreibt darauf in hübsch schwungvollen Schriftzügen «Die Wilis – Ballett».

Der Rest ist Geschichte. Ballettgeschichte. Am 28. Juni 1841 wird «Giselle ou Les Wilis» an der Pariser Opéra uraufgeführt, choreografiert nach einem Libretto von Théophile Gautier und Jules Henri Vernoy Marquis de Saint-Georges und mit der Musik Adolphe Adams: ein «Ballet phantastique», das die Geschichte des Winzermädchens ...

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Tanz Juni 2023
Rubrik: Produktionen, Seite 6
von Hartmut Regitz

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