Reiner Feistel
Reiner Feistel schmeißt über hundert Vorstellungen pro Saison. Das muss erst mal einer nachmachen! Der Ballettchef der Landesbühnen Sachsen schreckt vor keinem Unwetter zurück und zeigt jeden Sommer vor dem Dresdner Zwinger tapfer seine «Tänzerischen Serenaden» – Kurzfassungen von «Romeo und Julia», «Carmen» und «Ein Sommernachtstraum» inkl. Dieser Einsatz festigt seine Position.
Gestützt auf seinen Erfolg, kann Feistel zu Haus in Radebeul zwischenzeitlich schon mal etwas richtig Großes riskieren: Die ganze «Bartholomäusnacht» darf es sein, auch wenn der Zuschauer am Ende nicht jedes Detail des Dumas-Romans begreift. Aber er erfährt doch einiges von den Grausamkeiten einer Geschichte, der am 24. August 1572 in Paris über tausend Hugenotten zum Opfer gefallen sind. Gut ein Dutzend Tänzer sind im Einsatz, um den Zweiteiler als einen Totentanz in wechselnder Besetzung zu zeigen, den allein Katharina von Medici überlebt. Wie eine Spinne hockt Anna Skatshkova in ihrem Netz, eine Machtposition sondergleichen. Assoziiert man hier den «Hexentanz» von Mary Wigman, erinnert das Ballett in seinen konsequenten Szenen an Limóns «The Moor’s Pavane»: Beweis seines Qualitätsbewusstseins, das ...
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To complain about the communication problem between the audience and contemporary dance is to state a platitude that is by now merely rhetorical. For Portuguese choreographer João Fiadeiro, for one, this is no matter for concern. “In a contemporary performance we are not going to confirm expectations but be confronted with something. We are in a territory of...
Wenn ein Tänzer respektive Performer die Bühne betritt, dann trennt sich die Kraft: zwischen dem Darsteller, dessen Name im Programmheft zu lesen ist, und seiner Figur oder Gestalt. Ersterer repräsentiert den Werktätigen, zweiterer sind Werkstücke, die er dem Publikum zur Verfügung stellt. Insofern bieten Tänzer ihrem Publikum einen Service an. Sie sind...
Valeska Gert wollte in einem Kornfeld begraben sein («dann fließt mein Fleisch ins Korn hinein, dann werd‘ ich Brot, bin nicht mehr tot»). Beigesetzt ist sie dann doch auf dem Friedhof, ihr Sarg in orangerotes Tuch gehüllt in Anspielung auf ihren «Tanz in Orange», der wie eine Bombe in den Expressionismus platzte: den «echten», nicht den des «Kunstgewerbes». Tot...
