raumpartituren: penelope wehrli

ist die bekannte Bühnenbildnerin von Johan Kresnik, weniger bekannt als  Performancekünstlerin, die sie in den Achtzigern in New York gewesen war. Unvergessen ihre letzte Arbeit für ­Kres­nik, «Hotel Lux», ein perfides, für den Zuschauer gut einsehbares Überwachungssystem mit Kameraschwenkarm und Verhörzellen, das die Umwandlung deutscher Sozialisten zu stalintreuen DDR-Marionetten in Moskau zeigte. Wehrlis Arbeit, schreibt der Kurator und Herausgeber des Katalogs «raum partituren», Detlev Schreiber, unterlief oft Kresniks «brachiale Konzeptualität».

Wehrlis eigene Notizen verschweigen gar das Meisterwerk «Hotel Lux». Sie rechnet lieber ab mit dem Tanztheaterbühnen, dem sie in «Antonin Nalpas» einen Faraday’schen Käfig mit einer 100.000-Volt-Blitzanlage ­ver­passte, der nach dem Zufallsprinzip ins Geschehen eingreifen sollte – aber Kresnik wollte ihre Bewunderung für John Cage und Merce Cunningham nicht teilen, ihre Liebe zur Autonomie der Bühnenelemente, der Freiheit des Films, des Tänzers, des Sounds, die dafür jegliche Dramaturgie entbehren müsse, weil Wehrli «Wahrheit» und «Realität» sehr relativ findet. Ihre Rauminstallationen nach der Trennung von Kresnik sind monumental, nie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August 2010
Rubrik: medien, Seite 84
von Arnd Wesemann

Vergriffen