Radio tanzen auf dem Teotihuacan

Dem Tanzen zuhören, den Göttern lauschen, den Kunstherzen folgen. Irene Disse über Mexiko und die Kunst des Tanzhörspiels

Wo bitte geht’s zur Unterwelt?

Mitlan – Beim Abschlussfest hoch über den Dächern Mexikos am Zocalo hatte mich die Rache Montezumas ereilt – ein heftiger Durchfall rüttelte in meinen Gedärmen. Ich fühlte mich schwach und einer Ohnmacht nah. Befreundete Musiker trommelten wild, und Pavel erzählte schreiend, um die Musik zu übertönen: «Cerca de Realidad hay un pueblo – nahe der Realität gibt es ein Dorf, wo die Menschen nicht kämpfen – sondern tanzen und tanzen und tanzen.»
Plötzlich hörte ich Pavel wie von weit.

Ich hörte präkoloniale Instrumente, das Atmen von Tänzern, Schreie, Stampfen, Menschenmengen, Gebete. Nahe der Realität gibt es ein Dorf ... Pavels Herz sehe ich, es pocht, hoch auf einer Pyramide tanzten Pavel und Alexandra, ich bin weit und nah, oben und unten, höre wieder Atem, die Stimmen, nackte Füße auf Steinen und das Herz pocht und zuckt und ein tiefes Lachen, der Holländermichel hält ein Herz in der Hand – Pavels? Meines? Nein, es ist Peter Munks Herz, und auf allen Pyramiden weinen Kinder, Peter ruft: Mein Herz ist aus Stein, alles ist mein, alles ist mein – eine Frauenstimme: Peter Munk go home, und ein Flugzeug landet, Touristen quellen heraus, und rufen, meines, ...

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Tanz Februar 2005
Rubrik: Körper, Seite 24
von Irene Disse

Vergriffen
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