Constanza Macras

schaut hinab in den Moloch «Megalopolis» und betrachtet «Oedipus Rex»

Ein Mann, dem das Schicksal bestimmt, Vater zu töten und Mutter zu heiraten, will dem Fluch entgehen. Als er blindlings die Welt auf den Kopf gestellt hat, sieht er, dass er den Vater längst getötet, die Mutter vor langer Zeit geschwängert hat. Das passiert, wenn die Verhältnisse unübersichtlich sind. König Ödipus ist das Resultat von Patchwork-Beziehungen, die die Welt seit 2500 Jahren träumt. Damals gehörte die Erde den Banden, in deren Hände man fiel; heute gehört sie den Städten, die Menschen jeder Herkunft in sich umschichten.

«Generic Cities» hat sie 1995 der niederländische Architekt Rem Koolhaas genannt, lauter gleiche Städte, die wie Theater ihr Personal austauschen und ihre Architektur wie Bühnenbilder ersetzen, um jedwedes Stück anony­mes Schicksal in sich aufzunehmen.

Zwei neue Stücke hat Constanza Macras in die Welt gesetzt: «Megalopolis», wahres Großstadttheater an der Berliner Schaubühne, und zuvor, im Festspielhaus Hellerau, die 1927 uraufgeführte oratorische Oper «Oedipus Rex» von Igor Strawinsky, die jetzt am Berliner Hebbel am Ufer zu sehen ist. Strawinsky verlangte nach Darstellern in «stilisierten Kostümen und Masken», nur «Kopf und Arme bewegend». Sie sehen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2010
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Arnd Wesemann

Vergriffen