mata hari

Noch sind die Akten des Prozesses, der das Schicksal der sagenumwobenen Spionin besiegelte, unter Verschluss. Also ergreift Ted Brandsen mit Het Nationale Ballet die letzte Chance, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen

Zelle. Mit so einem Namen macht niemand Karriere. Margaretha Zelle war sich darüber im Klaren. Sie wollte Karriere machen, und das um jeden Preis. Also erfand sich das Meisje aus Leeuwarden eines Tages neu, erfand sich als Mata Hari und damit eine Kunstfigur, die wie geschaffen war für eine Belle Époque, in der nicht zuletzt der Exotismus wahre Triumphe feierte.

«Eine geniale Idee», meint denn auch einer ihrer besten Biografen, der französische Historiker Fred Kupferman, für den dieser Verwandlungsakt die logische Folge einer Verlogenheit ist, an deren Vervollkommnung die Hutmachertochter aus Holland ein Leben lang gearbeitet hat.

1876 im friesischen Leeuwarden geboren, geriet Margaretha Geertruide Zelle ganz nach ihrem Vater. Bis zu seinem Bankrott führte der sich auf wie ein Baron und verehrte seiner Lieblingstochter beispielsweise am sechsten Geburtstag einen viersitzigen «Bokkewagen», der von Ziegen gezogen wurde. Auf ihm thronte die Kleine «mit bernsteinfarbenem Teint, schwarzem Haar und mandelförmigen Augen» bereits wie die orientalische Prinzessin, als die sie sich von nun an fühlte.

Die indische Tempeltänzerin
Frühreif, sich ihrer weiblichen Reize durchaus bewusst, ...

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Tanz April 2016
Rubrik: Produktionen, Seite 18
von Hartmut Regitz