Poeten der Geste

Raimund Hoghe und Angelin Preljocaj spielen in Montpellier «Ja» oder «Nein», Deutschland gegen Frankreich, Schuld und Bühne, «Swan Lake, 4 Acts» und «Les 4 saisons ...» Thomas Hahn war mittendrin beim Kampf der Helden mit der Vier-Zahl

Widerstand entsteht im inneren Exil. Man verweigert sich, macht nicht mehr mit, man unterscheidet sich und bringt das System von innen her zur Implosion. Der italienische Schriftsteller, Philosoph und Europapolitiker Antonio Negri sieht das Ende des «Empire» beinah wie ein Kunstwerk. Weil Kunst für ihn nur dort entsteht, wo ein Prozess der Befreiung stattfindet. Auf ein «Oui» zu Europa hoffte er, um den Nationalstaat zu untergraben. Frankreich rief «Non», und Deutschland stammelte ein machtloses parlamentarisches «Ja».

Dass die euro­pä­ische Einigkeit nicht vom Himmel fällt, wie fremd wir einander noch immer sind – Angelin Preljocaj und Raimund Hoghe demonstrieren all das. Der Franzose und der Deutsche. Jeder für sich mit ihren Premieren auf dem Festival Montpellier Danse.
Die beiden Poeten der Geste könnten unterschiedlicher nicht sein. Aber beide ergehen sich in Symmetrie, jeder à sa façon. «Les 4 saisons ...» hier, «Swan Lake, 4 Acts» dort. Vier schwarze Schwäne, als Kreuz auf der Bühne liegend, bei Hoghe. Fun­damentaler Kampfsport bei Preljocaj. Wo Hoghe, Pasolini zitierend, «seinen Körper in die Schlacht wirft», kämpfte Preljocaj das Recht Tänzer zu werden seiner Familie und ...

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Tanz August/September 2005
Rubrik: Premiere, Seite 8
von Thomas Hahn

Vergriffen