Praxis

In Paris macht man keinen Unterschied zwischen AIDS-Therapie, Körpertechnik und Choreografie, nicht in der neu gegründeten Association d’Individus en Mouvements Engagés, kurz A.I.M.E. Thomas Hahn im Gespräch mit den Gründern

je t’ A.I.M.E

Sie haben eine «Vereinigung von Individuen in engagierten Bewegungen» gegründet. Was macht sie genau?

Julie Nioche: A.I.M.E. soll nicht nur Werke für die Bühne kreieren, sondern auch pädagogische und medizinische Projekte betreiben, die Tanz beinhalten. Jeder von uns arbeitet selbstständig in seinem Bereich. Ich in der Kunst, Isabelle Ginot in Lehre und Forschung, Michel Repellin engagiert sich für Aidskranke, Gabrielle Mallet ist Physiotherapeutin und Osteopathin. Aber in jede Arbeit fließen die Fähigkeiten der anderen ein.

So habe ich ein Kolloquium zum Thema Körperbild organisiert, mit Psychologen, Physiotherapeuten und Osteopathen. Michel und ich studierten zusammen Osteopathie. Bei Isabelle steht der Austausch zwischen Theorie und Praxis im Mittelpunkt. Wir haben gemeinsam einen Studiengang zum Thema «Techniken des Körpers und Behandlungspraktiken» ins Leben gerufen, der im März begann. Wir machen Angebote für Aidskranke und Massagemethoden in Krankenhäusern, wobei wir deren Wirkung wissenschaftlich untersuchen. Künstlerisch verwendete ich unsere Behandlungs­methoden bereits bei den Rencontres chorégraphiques internationales de Seine-Saint-Denis mit Gabrielle ...

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Tanz Mai 2009
Rubrik: Praxis, Seite 56
von Thomas Hahn, Lubosch Bublák

Vergriffen
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