wozu residenzen?

Oder: Warum gibt es Stadtschreiber, aber keine Stadttänzer?

Einmal Kaiser sein und wie weiland Karl V. von Residenz zu Residenz ziehen, das ist heute das Schicksal hunderter Choreo­grafen. Quer durch Europa wird logiert, geprobt und geforscht. Nur eins wird zunehmend verpönt: ein richtiges Stück zu entwickeln. Es gibt kaum eine Kommune, die keine Künstler aufnimmt, selbst 5-Sterne-Hotels bieten mittlerweile Logis und schmücken sich als «Kulturort». Aber wozu ist das gut, wenn gleichzeitig Gast­spiele reduziert und Produktionskosten gesenkt werden? Nicht wenige Choreografen haben aus dem Residenzdasein ein regelrechtes Kunstkonzept gemacht.



«Man sehnt sich so danach», sagt Christine, «irgendwann in der Realität anzukommen.» Auf diese Realität wurde sie ihr Leben lang vorbereitet. Jetzt will sie auch mal in dem Leben ankommen, von der ihr die Schule, der ­Tanz­­unterricht und die Sommerferien immer erzählt haben. Sommers nahm sie Tanzkurse bei «ImPulsTanz» in Wien. In Frankfurt gab es ein «Sommerlabor mit richtigen Intellektuellen». Eigentlich wollte sie einfach in einer Kompanie tanzen. Ihren Koffer rollte sie von Audition zu Audition. Aber jeden Tag im Studio die Bewegungen zu wiederholen, die nicht ihre waren: Das war nicht mehr ihre Sache. ...

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Tanz Juli 2010
Rubrik: praxis, Seite 64
von Arnd Wesemann

Vergriffen