vertikal

«Danse escalade» heißt der Drang nach oben. Die französische Kompanie Retouramont ermöglicht auch Tänzern das prickelnde Schwindelgefühl beim Bouldern

Genau besehen, gilt im Ballett nur eine Richtung: nach vorn, im Idealfall mit der Illusion einer Kunstpause ganz oben. Der vergötterte Nurejew erweckte im Grand Jeté den Eindruck, in der Luft zu verharren. Stillstand als Gipfel der Perfektion! Schon das Übereinanderschlagen der Fußknöchel zur Batterie wirkt dagegen nie, als würde die Schwerkraft wirklich auf die Probe gestellt. Das Tor zum Himmel wird nur selten aufgestoßen. Hüpfer, Sprünge und Vertikalität im Tanz waren seit Ludwig XIV. allein Gott und dem Kosmos gewidmet.

Der zeitgenössische Tanz, so dachten wir, ist da wesentlich freier, hat er doch dem Kampf um die Lufthoheit von Anfang an abgeschworen. Hier darf es seitwärts oder rückwärts gehen, wenn nicht gar im Zickzack, wenn nicht gar in die Anti-Ballett-Richtung schlechthin: nach unten! Ausnahmen bilden gewisse Perioden des Schaffens von Anne Teresa De Keersmaeker oder William Forsythe, die wiederum dem Ballett nahe stehen. Ansonsten wird entweder waagerecht in Bodennähe gehechtet wie bei Wim Vandekeybus, oder man hoppelt auf der Stelle, wie im Extrembeispiel «Les Sisyphe X 10» von Julie Nioche, einer Dauerhüpf-Performance für jugendliche Amateure. Die  ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2014
Rubrik: praxis, Seite 68
von Thomas Hahn