nackt und willenlos

So wollen sie nicht tanzen. Wie man sich als Tänzer gegen böse Überraschungen wehrt – und zu einfacher Selbsthilfe greift

Marina Abramović, Schwester Oberin der masochistischen Perfor-mancekunst, richtete am vergangenen 12. November die Jahresgala im Museum of Contemporary Art in Los Angeles aus. Die Eintrittspreise erreichten die 100.000-Dollar-Marke. Wer so viel auf den Tisch legte, war ganz nah dran an den Tänzerinnen und der Rekonstruktion ihrer Performance «Nude with Skeleton» von 2002.

Nackt und zu sechst, ausgewählt aus 800 Bewerbungen, lagen die Tänzerinnen stumm auf sich langsam drehenden Bühnen, stundenlang, jede unter einem Skelett, bevor die Gäste kamen und so lange, bis der Letzte den Saal wieder verlassen hatte. Angenommen, die betuchte Gesellschaft hätte es gewagt, sie zu berühren, dann sollten die Performerinnen auch dies geschehen lassen. Zuwiderhandlungen – der Passus war in ihrem Vertrag mit einer Firma namens «Bounce Events, Marketing, Inc.» zu unterschreiben – zögen eine Klage in Höhe von einer Million Dollar plus Kosten der Rechtsanwälte nach sich. Für die Performance erhielt jede Tänzerin 150 Dollar. Plus ein Jahr lang freien Mu­seums­eintritt.

Hätte eine von ihnen dagegen protestiert, sich nackt und verletzlich preiszugeben, wäre sie in Sekunden ausgetauscht worden. Darum ...

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Tanz Februar 2012
Rubrik: praxis, Seite 70
von Arnd Wesemann