klassischer tanz vs. improvisation

Martin Puttke vs. Peter Jarchow: Zwei Erneuerer der Tanzpädagogik treffen sich zu einem Schlagabtausch beim Berliner «Bildungsprogramm für künstlerische Bewegung, Seneca Intensiv». Der eine – Peter Jarchow – hat die Improvisation nach Gret Palucca weiterentwickelt, der andere – Martin Puttke – will den klassischen Tanz runderneuern. Geht da was zusammen?

Peter Jarchow: Gleich mal grundsätzlich: Für mich ist der improvisierende Balletttänzer ein Widerspruch in sich, weil Improvisation im klassischen Tanz unerwünscht ist. Wenn einer im Ballett-Training improvisiert, werden die Pädagogen sehr böse. Umgekehrt gilt das Gleiche: Wenn im Improvisationsunterricht einer anfängt, mit Tendus zu arbeiten, gibt's Ärger. Trotzdem haben viele Pädagogen kapiert, dass derjenige der bessere klassische Tänzer ist, der auch improvisieren kann.



Martin Puttke: Aber wozu dient denn Improvisation? Zur Entwicklung von Kreativität? Was heißt denn überhaupt: kreativ? Wir müssen nicht nur im Tanz, wir müssen permanent kreativ sein, uns auf veränderte Umstände einstellen. Ich meine, dass harmonische Systeme unfähig sind zur Kreativität, sie drängen nicht zur Veränderung und schalten jeden Widerspruch aus. Dass man also im klassischen Ausbildungssystem die Improvisation nicht vorrangig verwendet, hat einen Grund.

Peter Jarchow:
Weil das Ballett so harmonisch ist?
Martin Puttke: Weil das Ballett als ein relativ in sich geschlossenes System Veränderungen nicht zulässt. Daher kommen auch all die his-torischen Zerwürfnisse zwischen Dresden und Berlin, also Palucca ...

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Tanz August 2012
Rubrik: praxis, Seite 98
von Arnd Wesemann