Das Wunderpflaster

Ungläubiges Staunen beim TaMed-Symposium in Stuttgart: Kann denn ein einfaches Pflaster, richtig angewendet, den Tänzern tatsächlich eine Hilfe sein? Thomas Schaible, seit drei Jahren Physiotherapeut beim Stuttgarter Ballett, kennt sich aus beim Kinesio-Taping, einer neuen, revolutionären Technik aus Japan, die bei Verletzungen sowie bei akuten und chronischen Erkrankungen Besserung verspricht.

Ein Pflaster für alle Fälle? Auf welche Weise wirkt das Kinesio-Tape? Ganz unterschiedlich. Zunächst einmal physiologisch. Schwellungen verschwinden. Es gibt Bildbeweise dafür, dass sich unter den Tapes nach 24 Stunden ein Bluterguss komplett verflüchtigt. Die Haut erscheint wieder normal weiß, obwohl nebendran möglicherweise noch alles blau ist. An den Tape-Streifen entlang fließt die Flüssigkeit ab und das sagenhaft schnell im Verhältnis zu dem, was wir auf die Haut draufkleben.

Das ist aber nicht alles? Wenn ich mich bewege, bewegt sich die Haut mit.

Klebe ich ein Tape darüber, bewegt sie sich viel früher mit. Die mechanische Bewegung bremst, vereinfacht gesagt, im Rückenmark den Schmerz aus. Wissenschaftler erklären das als gate control: weil der mechanische Reiz sich schneller dem Gehirn mitteilt, dort die Ausschüttung von Endorphinen und Kortikoide steuert und damit dem langsameren, dumpferen, chronischen Schmerz sozusagen das Tor zumacht, ihn dämpft, bevor er einem so richtig bewusst wird. Ein praktisches Beispiel: Wenn Sie Zahnschmerzen haben, heben sie ganz automatisch die Hand an die Zähne und schaffen dadurch Raum für den Schmerz. Formen Sie nur ganz leicht eine hohle ...

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Tanz Oktober 2006
Rubrik: Praxis, Seite 68
von Hartmut Regitz

Vergriffen