prag: Kylián, Konvalinka, Zuska: «Tschechische Ballettsymphonie II»

Das Sudetenland wurde 1938 «heim ins Deutsche Reich» geholt, ein Jahr später besetzen deutsche Truppen den Rest der Tschechoslowakei, der Widerstand formiert sich. Bohuslaw Martinů schreibt für den Chor und die Musikkapelle eines Freiwilligenkorps die «Feldmesse», für Männerchor, Baritonsolo, Bläser, Harmonium, Klavier und großes Schlagwerk. Aufschrei, verzweifelter Stoßseufzer, fernab von religiöser Andacht.

Zu dieser Messe schuf Jiří Kylián seine Choreografie «Feldmesse», uraufgeführt 1980 vom Nederlands Dans Theater.

Vor dunklem Hintergrund mit rot glühendem, schmalem Horizontbogen liefern die zwölf Tänzer keine historisch grundierten Bilder. Der Tanz bleibt abstrakt, doch man mag in ihm schon so etwas sehen wie verzweifeltes Bitten oder unbeugsames Anklagen. Ist es Ironie, dass gerade zum «Kyrie» so etwas wie leichte Heiterkeit den Tanz umspielt? Ansonsten reduziert sich Kyliáns Choreografie aufs Wesentliche – beeindruckende Szenen, in denen Männer fallen, sich aufhelfen und wieder stürzen. Für die zwölf Tänzer des Prager Nationalballetts eine Herausforderung, weil Exaktheit, Synchronizität und Intensität der einzelnen Persönlichkeiten in den knappen Korrespondenzen kleinerer ...

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Tanz Juni 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 52
von Boris Gruhl

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