Gérard Violette

Einen Tanzschuh hat er sein Leben lang nicht getragen. Aber ohne Gérard Violette, seit 20 Jahren Direktor des Théâtre de la Ville in Paris, wäre der zeitgenössische Tanz nicht, was er heute ist. Koproduziert und hin und wieder auch zur Ordnung gerufen.

Ein Quereinsteiger! Weder Choreograf ist er je gewesen, noch Tänzer oder überhaupt Künstler. Ein administrateur! Einer, der Jura und Politikwissenschaften studierte an einer der angesehensten Eliteschulen des Landes. Seit zwanzig Jahren leitet Gérard Violette das Théâtre de la Ville in Paris, Europas größte und älteste Koproduktionsstätte für zeitgenössischen Tanz. Er bleibt dabei so diskret, dass die Öffentlichkeit ihn beinah vergisst.

Sein Dienstjubiläum ist konventionell die Gelegenheit, daran zu erinnern, dass nicht nur Choreografen und Tänzer dieser Kunst entscheidende Impulse geben. Denn Engagement für den Tanz findet nicht nur im Körper statt. Nicht nur einzelne Choreografen, sondern der gesamte zeitgenössische Tanz wären ohne Violettes Liebe zum Körper auf der Bühne nicht so aufgeblüht. Er ist einer, der selbst als Jugendlicher nie Lust zum Tanzen verspürte, «noch nicht einmal um mich an Mädchen heranzumachen». An ihm zeigt sich, wie sehr das Verdrängen der Realität des Körpers aus der öffentlichen Wahrnehmung seine Rückkehr auf der Bühne findet. Bei Violette wurde es Leidenschaft. Er, der eine Karriere im Finanzwesen hätte machen sollen, sagt: «Der Appetit kam beim Essen.»
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Tanz Oktober 2005
Rubrik: Portrait, Seite 16
von Thomas Hahn

Vergriffen