Polina Semionova

Zwanzig Jahre alt und ein Star, von ihrem Ballettintendanten Vladimir Malakhov auf Händen getragen, verkörpert sie die Zukunft des Staats­balletts Berlin. Darum erhält sie jetzt den Deutschen Tanzpreis «Zukunft».

Das Ballett macht Urlaub. Was heißt, dass in der Staatsoper Unter den Linden gearbeitet wird. Während Elena Tschernischova der Myrtha von Viara Natcheva noch den letzten Schliff gibt, bereitet sich Polina Semionova bereits in einer Ecke des Ballettsaals auf ihre Probe vor. Sie greift sich eine grüne Gummimatte, legt sich drauf und dehnt ihre langen Beine bis zum Gehtnichtmehr. Bevor die Füße an die Reihe kommen, werden die Haare aufgesteckt. Ein Gummiband erlaubt den Zehen eine Flexibilität, wie sie nur kleine Kinder kennen. Ein paar Übungen an der Stange. Typische Battements.

Noch Zeit genug, sich die Bänder für die Ballettschuhe zurechtzuschneiden. Auch das gehört zum Ritual.
Punkt sechs beginnt die Probe, und Polina, wie sie die meisten nennen, ist sofort da. Schnell streift sie sich ein zerschlissenes «romantisches» Tutu über die schwarze Trikothose, greift zur Fernbedienung, beginnt zu tanzen – verwandelt sich von einem zum anderen Augenblick. Ein Mysterium der Metamorphose: Zuvor noch die hoch gewachsene Tänzerin mit einem verträumten Kindergesicht, erscheint sie auf einmal als Giselle, die dem Grab entsteigt. Ihr Gesicht verklärt sich, als ob ein Zauber sich ihrer ...

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Tanz März 2005
Rubrik: Porträt, Seite 18
von Hartmut Regitz

Vergriffen
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