plié und plissee

Wenn Kunst und Mode miteinander intim werden, kommt mehr als ein Hybrid dabei heraus. Das Kölner Tanzmuseum und das Berliner Kunstgewerbemuseum zeigen, was möglich ist

Wer sich als Ballettchef einführen möchte, kann dezent Visitenkarten verteilen. Kann ein paar Leute im Hintergrundgespräch briefen. Kann das Publikum in Werkstattgespräche verwickeln. Für eine Grande Entrée – amerikanisch pompös: «Grand Entrance» – verbündet er sich indes idealerweise mit der «Vogue», um sich von Annie Leibovitz in einem Dreiteiler, Hip-Marke Doyle + Mueser, ablichten zu lassen. Als Nebendarstellerin wird ein russisches Topmodel engagiert, das von Valentino Haute Couture bis Dolce & Gabbana Alta Moda lauter Spitzenprodukte spazieren führt.

In diesem Fall durch die satt vergüldete Kulisse des Pariser Palais Garnier. So begann im November 2014 Benjamin Millepieds Ägide am Opernballett der französischen Hauptstadt: mit einem Modeshooting der Superlative, einer Luxusschwelgerei. Die Tänzerinnen, die dabei als Tutu-Statis-tinnen vor die Kamera gerieten, posieren als Schönwetterfeen: Die wolkigen Tüllschleier, in denen Maestro Millepied zeitweise versinkt, rücken ihn ins Erhabene und adeln ihn als späten Nachfahren jenes ehrwürdigen Enrico Cecchetti, den einst Edgar Degas im Elfenkreis der Ballerinen verewigte.

Millepieds glamouröse Selbstvermarktung ist keine Novität. ...

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Tanz Januar 2015
Rubrik: traditionen, Seite 56
von Dorion Weickmann

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