Physisches Denken

Daniela Neugebauer gehört zum Dream-Team der Wayne McGregor Dance Company. Sie erzählt, was sie an den Arbeiten und Probenprozessen des Choreografen fasziniert.

Wir treffen uns im Barbican, Londons architektonisch markantestem Kulturzentrum. Obwohl Daniela Neugebauers androgyne Oversize-Klamotten aufs Verschwinden ausgelegt scheinen, sticht sie mit ihrem pink gebleichten Haar sofort ins Auge. Wir tragen unsere Teetassen in eine stille Ecke irgendwo tief im Bauch des bruitistischen Ungeheuers, das wir beide sehr schätzen. Der letzte «antikapitalistische Ort» im Bankenviertel, sagt Daniela. Sie gibt ihre Antworten ernsthaft, umsichtig, bedacht, dabei zugewandt – eine Frau, die sich einlässt.

Geboren in der Schweiz, hat sie in Basel bei Cathy Sharp gelernt, an der Schule des Hamburg Ballett und bei Codarts in Rotterdam studiert. Danach hat sie sich vielfältig ausprobiert: mit Engagements am Ballet Gulbenkian, bei Dance Works Rotterdam und Auftritten in Werken von Paulo Ribeiro, Ton Simons, Marie Chouinard, Stephen Petronio, Dana Caspersen – um nur ein paar zu nennen. Aber ihr wahres Kunst-Potenzial hat sie vielleicht erst beim Guru des Rasanz-Tanzes entdeckt: bei Wayne McGregor.

Daniela Neugebauer, was hat Sie 2010 bewogen, sich bei Wayne McGregor zu bewerben?
Seine Kompanie arbeitet ja auf sehr spezielle Weise. Als ich auf die Audition für ...

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Tanz April 2018
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Wiebke Rolof

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