Phantom der Moderne

Gleich zweifach wird der Tänzerin Loïe Fuller gehuldigt: mit einer Ausstellung in Neuss und einem Buch, das von ihrer Freundschaft mit Marie Curie erzählt.

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Dieser kleinwüchsige Mann mit seinem grausamen Humor hatte die Macht, aus einer Pariser Nachtklub-Künstlerin einen Star zu machen. Henri de Toulouse-Lautrec frequentierte die Folies Bergère, um sich dort zu betrinken, umgeben von Tänzerinnen und Kurtisanen. Der Star-Maker von Montmartre galt als genialer Plakatkünstler, seine Lithographien waren überwältigend. Auch der berühmte Bildhauer Auguste Rodin wurde oft in den Folies gesehen. Beide Männer würden sie keines Blickes würdigen, wenn sie ihnen auf der Straße begegnete. Aber Loïe hoffte, auf der Bühne ihr Interesse zu wecken.

Ein paar Worte nur oder Pinselstriche von ihnen könnten ihr helfen, aus der Masse hervorzutreten.

Das waren Loïe Fullers Wunschgedanken, als sich 1892 für sie der Vorhang des populären Varietés hob – und sie sollten in Erfüllung gehen. Davon legen im Clemens Sels Museum in Neuss nicht nur eine farbige Ölskizze und eine von rund 60 Farblithografien samt Goldstaub von Toulouse-Lautrec Zeugnis ab. Sie skizzieren die Amerikanerin, die 1862 in einem kleinen Ort bei Chicago zur Welt kam, in einem schwungvollen Stoff-Bausch. Auch Auguste Rodin sollte die spätere Jugendstil-Ikone, die nie eine klassische ...

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Tanz Januar 2022
Rubrik: Traditionen, Seite 40
von Bettina Trouwborst

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