persönlich

Newcomer: Christine Borch – Marco Santi kündigt St. Gallen – Wer ist der Böse am Bolshoi?

newcomer_________
christine borch

Die Presse vergaß nicht, mehrfach die Schönheit der drei Tänzerinnen zu betonen, die auf einem runden Präsentierteller lagen, in delikat weiten Blusen, die stöhnten, orgiastisch atmeten und gemeinsam zu einem Höhepunkt kamen. Zur Eröffnung der «Tanztage» in Berlin sah man sie darauf in glücklicher Erschöpfung mit melodischen Affenlauten einen gemeinsamen Rhythmus erzeugen. Kurz erinnerte Christine Borchs «One Revolution, Respiration» da an Stanley Kubricks Film «2001 – Odyssee im Weltraum», erste Szene.

Eine Affenhorde in Ekstase, Kain erschlägt Abel, ein Knochen fliegt. Schnitt. Ein Raumschiff fliegt. Bei Borch weitet den Horizont nicht der Atemzug der Weltgeschichte, sondern der Hauch des Erotischen.

«Intimate nature» nennt die gebürtige Dänin ihr Begehren: «In meiner Kunst suche ich Intimität, den Austausch. Das kann die Intelligenz eines anderen sein oder sein Körper.» Austausch und Atem ist für sie ein Naturprinzip: wie der Wärmetausch des Wetters. «Body Weather» hat das ihr Butoh-Meister Min Tanaka genannt, sie selbst nennt sich ein «Kind des Klimawandels». Und worauf läuft der hinaus? Auf Naturesoterik? Eine Atemschule? Oder doch auf den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2013
Rubrik: menschen, Seite 28
von

Weitere Beiträge
schwarzmalerei

«Wo sind die schwarzen Balletttänzer?», fragten im Herbst 2012 Olivia Goldhill und Sarah Marsh in der britischen Tageszeitung «The Guardian». Die Autorinnen, selbst weder Tanzkritikerinnen noch bislang mit einschlägigen Publikationen in Erscheinung getreten, beklagen den Umstand, dass es in großen, internationalen Ballettkompanien so wenig schwarze Tänzer gibt....

dessau: Tomasz Kajdanski: «Der Sturm»

Für Tomasz Kajdanski, den Leiter des 14-köpfigen Balletts am Anhaltischen Theater Dessau, ist seine Bühne «eine Kirche» – ein Ort der Zuflucht und der Einkehr in einer Stadt, die seit den Wendejahren nie richtig zu sich gefunden hat. Weder der kulturelle Leuchtturm des Bauhauses noch ortsansässige Groß-Institutionen wie das Bundesumweltamt ändern etwas daran, dass...

frankreich: Abou Lagraa: «El Djoudour»

Eine Trennung der Lebensbereiche von Mann und Frau habe es in der arabischen Kultur nie wirklich gegeben, glaubt der Choreograf Abou Lagraa. Wozu sonst all die Terrassen und Salons, wenn nicht als Begegnungsräume für Mann und Frau? Die Trennung, so Lagraas Überzeugung, findet allein im Kopf statt. Also lässt er in seinem neuen Stück acht B-Boys aus Algier auf...