Patricia Carolin Mai «Rausch»
Die Halle k6 im Hamburger Produktionshaus Kampnagel ist riesig. Und Patricia Carolin Mai nutzt den riesigen Raum bis auf den letzten Quadratmeter – indem sie ein 105-köpfiges Ensemble auf die Bühne stellt. Tänzer*innen mit und ohne Tanzausbildung hat sie zur Uraufführung von «Rausch» hier versammelt, alte, junge, große, kleine, hell- und dunkelhäutige, eine unüberschaubare Menge Mensch, die sich auf den Tanz und auf die Bewegung einlässt. Bei der Aufführung im Leipziger LOFFT wird das Ensemble durch lokale Performer*innen erweitert werden.
«Was ist überhaupt Tanz?», fragt das Stück: Es gibt den «Schön-dichzu-sehen-Tanz», den «Publikumsbegrüßungs-Tanz», den «Immer-nochin-die-Ex-verliebten-Tanz», und während diese sicher unvollständige Liste immer länger wird, löst sich eine Frau aus der Masse und beginnt zu tanzen, ganz leicht, kleine, langsam erweiterte Kreise. Mais Choreografie ist an dieser Stelle minimalistisch, allerdings ist das ein Minimalismus, der die ganz große Form braucht: die riesige Gruppe im Hintergrund, in der nur wenig passiert, hier eine Positionsverlagerung, dort ein gemeinsames Kichern. Jemand flüstert seinem Nachbarn etwas ins Ohr, der trägt die Botschaft ...
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Tanz Oktober 2023
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Falk Schreiber
CD des Monats
KRATT
Man könnte Kratt als fernen Verwandten des jüdischen Golem bezeichnen: Wie dieser wird der estnische Kratt von Menschenhand geformt. Vom Teufel zum Leben erweckt, lässt er sich seine Dienste allerdings mit der Seele seines Schöpfers bezahlen: ein Kobold, wie geschaffen für ein dramatisches Ballett. Eduard Tubin hat es denn auch auf Grundlagen...
JEAN-CLAUDE VAN DAMME: KARATE-DIVA
Jean-Claude Van Damme war in den Neunzigern einer der größten Stars des körperbetonten Actionkinos, in den vergangenen Jahren konnte er mit selbstkritischen und -ironischen Rollen ein kleines Comeback feiern. Was der 1960 in Brüssel geborene Schauspieler allerdings auch ist: ausgebildeter Balletttänzer. An seinem Beispiel lässt...
Am Ende fließt Kunstblut und es fallen Schüsse, aber die Tänzerin mit den süßen, weißen, puscheligen Hasenohren überlebt, genau wie die anderen dieser seltsamen Gemeinschaft, die vielleicht eine Familie ist – Großmutter, Mutter, zwei Kinder. Vielleicht aber auch nicht. Sie scheinen miteinander verbunden, ergehen sich in waghalsig akrobatischen Hebe- und...
