Paris: Oona Doherty «Hard to be Soft – a Belfast Prayer»

Brexit? Oona Doherty ist gewappnet. Der Shootingstar aus Nordirland lernt jetzt sogar Französisch, ist artiste associée an der Maison de la Danse in Lyon. Belfast liegt hinter ihr, physisch gesehen. In der Hauptstadt Nordirlands landete sie, als ihre Familie den Londoner Norden verließ. Das Straßenleben von Belfast war ein Schock für sie, sagt Doherty heute. Sie ging nach Dublin, studierte Tanz in London, tanzte unter anderem in der niederländischen Kompanie T.r.a.s.h.

Das europäische Programm «Aerowaves» nahm sie mit «Hope Hunt and the Ascension into Lazarus» unter seine Fittiche – inzwischen gastiert sie regelmäßig auf französischen Festivals. Da bleibt wenig Zeit für Belfast, ihre Heimat. Doch gerade die in Nordirland wieder aufflammenden Spannungen rund um den Brexit machen Dohertys Arbeit doppelt aktuell. Denn sie speist sich aus dem, was die Künstlerin im Straßendschungel gelernt hat. Die Macho-Attituden der männlichen Jugend slamt, stammelt, wütet und breakt sie überzeugend aufs Parkett, weil sie das Zerbrechliche hinter den trommelnden Knochen und den maskenhaften Gesichtszügen ans Licht bringt. 

Die Titel ihrer Stücke fassen den Spagat aus Härte und Sehnsucht perfekt ...

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Tanz März 2019
Rubrik: Kritik, Seite 46
von Thomas Hahn

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