Otto Bubenícek

Otto Bubenícek ist in Hamburg ein «Orpheus» zwischen Himmel und Hölle. Er tanzt, als talentierter Komponist im Nebenerwerb, einen göttlichen Geiger. Mit dem Mann, der den verletzten Startänzer Roberto Bolle ersetzt, sprach Klaus Witzeling

Otto Bubenícek, Erster Solist im Hamburg Ballett, bringt John Neumeiers neue Choreografie «Orpheus» auf den Punkt. Sie ist ein getanztes Loblied auf die Macht und die Magie der Musik. Aus dem Sänger zur Lyra in der griechischen Mythologie wird bei Neumeier ein Geiger. Zufällig sieht er auf der Straße Eurydike – bezaubernd fragil auf Erden und ein ätherischer «Schatten»: Hélène Bouchet. So rasch, wie er sie lieben lernt, verliert er sie wieder – durch einen Autounfall.

Jean Anouilhs «schwarzes» Stück «Eurydice» von 1941 inspirierte Neumeier, den Mythos in die Gegenwart zu transponieren. Zu Strawinskys Ballettmusiken «Apollon musagète» und «Orpheus», Solostücken aus den «Rosenkranz-Sonaten» des Barockkomponisten Heinrich Ignaz Franz Biber und vier Text-Sound-Collagen aus dem Konzept-Album «Orpheus the Lowdown» von Andy Partridge und Peter Blegvad stellt er diesen Mythos entschlossen, auf Kosten von Poesie, auf den Boden der Tatsachen. Orpheus verschlägt es aufs harte Pflaster eines Straßenmusikers und in eine texanische Absteige unter Nutten. Neben den scharfen Kontrasten von musikalischer Moderne und Barock prägt das Ballett die kühle Ästhetik von Ferdinand Wögerbauers wandernden ...

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Tanz Januar 2010
Rubrik: Otto Bubenícek, Seite 8
von Klaus Witzeling

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