Monotone Grabsch-Marotte

Youri Vàmos: «Erda» in Duisburg

Diese Norne hockt nicht am Schicksalsbrunnen und spinnt versonnen die Lebensfäden der Götter und Menschen. Katarina Svetlova jagt in hohen Sprüngen mit greifvogelartig angewinkelten Gliedmaßen über Schlachtfelder und triumphiert über die Menschheit. Kriegerisch wie eine Amazone, dabei ganz irdenes Weib mit ungezähmtem Haar, ist sie Tanz gewordene Versuchung und Verderben. Die Macht des Schicksals, ruht – o, Graus – in ihren Händen. Sie entzündet den Weltenbrand, den die Musik des lettischen Zeitgenossen Péteris Vasks aus dem Orchestergraben ankündigt.

Ein Szenario von Wagnerschem Volumen, daher wohl der Titel von Youri Vàmos’ neuem Ballettabend «Erda» an der Deutschen Oper am Rhein, uraufgeführt im Duisburger Haus. Eine weitere Traumrolle für die aufregende, 24-jährige Rheinopern-Solistin, die bereits 2004 als John Neumeiers «Sylvia» mit Brustpanzer und Bogen in Düsseldorf auf die Pirsch ging. Möge sie dem Haus einige Jahre erhalten bleiben.
Wie nichtig-klein die menschliche Kreatur, verdeutlicht Michael Scotts puristische Bühne. Ein dunkler Vorhang teilt sie zu einem gebogenen, leeren Horizont. Mannshoch angehoben, gibt er den erleuchteten, niedrigen Spielraum frei für ...

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Tanz März 2005
Rubrik: On Stage, Seite 45
von Bettina Trouwborst

Vergriffen