Bremer Beerdigung

Urs Dietrich: «Flacon» in Bremen

Ein Begräbniszug überquert in Urs Dietrichs neuer Choreografie «Flacon» die Bühne des Bremer Schauspielhauses. Zwei Trippelschritte vor, einer zurück. Die verschleier­ten Frauen in schwarzen Roben scheinen auf der Stelle zu treten – genau wie die Politiker mit ihrer Hinhaltetaktik in der Bremer Theaterkrise. Das Bild ist deutlich: Als ob mit dem Trauerspuk das Bremer Tanztheater bereits zu Grabe getragen würde. Doch noch ist es nicht so weit.
«Wir spielen weiter!» Unübersehbar plakatierten die 440 Mitarbeiter ihren Willen.

Ohne Oktobergehalt haben sie gearbeitet, keine Vorstellung ausfallen lassen und sogar die Dietrich-Uraufführung herausgebracht. 4,7 Millionen Schulden brachten das Vierspartenhaus an den Rand der Pleite. Doch die Insolvenz wurde von der Belegschaft durch Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld abgewendet.
Kultursenator Jörg Kastendiek (CDU) verlangte vom ohnehin chronisch unterfinanzierten Theater, 2,5 Millionen an Personalkosten einzusparen. Nottarifverhandlungen sind aufgenommen worden, die Suche nach dem Nachfolger für Klaus Pierwoß hat begonnen. Doch Angst bleibt: die Stadt könnte das Traditionshaus, an dem in den Sechzigerjahren deutsche Tanz- und ...

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Tanz Dezember 2005
Rubrik: On Stage, Seite 42
von Klaus Witzeling

Vergriffen