Nicht von Racine

Nicolas Le Riche: «Caligula» in Paris

Caligula einmal anders. Nicht der römische Kaiser interessiert den Étoile der Pariser Opéra. Nicht der Mann, «den Wahnsinn, Verkommenheit und Größenwahn in die Tiefe ziehen». Nicolas Le Riche «untersucht das tiefs­te Innere einer wesentlich komplexeren und reicheren Persönlichkeit». Mehr noch: «Er enthüllt einen begeisterten Anhänger des Theaters und von Aufführungen, einen lebendig Gehäuteten, den die Krankheit so weit treibt, dass er selbst in seiner Zerstörungswut schöpferisch wirkt.

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«À lire avant le spectacle», heißt es dazu im  Programmbuch, das bei jeder passenden Gelegenheit Roland Barthes zitiert. Liest man die Erklärung nach der Aufführung, fühlt man sich ins falsche Stück versetzt. Denn da ist nichts oder doch nur sehr wenig, was einen an das Schicksal Caligulas erinnert. Mathieu Ganio entsteigt zwar wie ein Gott dem Bühnenhimmel des Palais Garnier, von dem Daniel Jeanneteau gerade mal ein paar Stufen sichtbar werden lässt. Doch nichts an ihm wirkt numinos. Alles Menschliche ist ihm fremd. Ganio, mit seinen 21 Jahren zweifellos einer der herausragenden Begabungen des Ensembles, bietet dem Choreografen zwar eine perfekte Projektionsfläche. Aber wenn es nichts zu ...

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Tanz Dezember 2005
Rubrik: On Stage, Seite 46
von Hartmut Regitz

Vergriffen