Stichprobe: eine Coreografia del Cordel

aus Belo Horizonte in Paris

So viel Abschied war noch nie. Eigentlich ist die «Coreografia del Cordel» mit dem Beifall des Publikums längst zu Ende, doch ein Paar kann nicht voneinander lassen. Ein weiteres Mal fallen sich Sonia Pedroso und Lair Assis in die Arme. Da ein Ciao. Dort ein «Coco». Im Vorbeigehen ein Küsschen. Ein letztes Lebewohl. Immer wieder neue Varianten des Verlangens erfindend, verzögern die beiden ihre Trennung bis zum Überdruss.

Und erst dann kommt das Stück zu seinem schönsten Schluss: Per Handschlag empfiehlt sich das Ensemble seinem Publikum, und wer im Carreau du Temple zu Paris bis zuletzt ausgeharrt hat, wird von den Tänzern und Tänzerinnen vor ihrem Abgang auf das Herzlichste umhalst.
Das kann kein Zufall sein, und die Choreografie scheint denn auch aus dem Stoff, aus dem das Leben ist. Wochenlang haben die Künstler aus dem brasilianischen Belo Horizonte die Exis­tenzbedingungen im Norden von Minas Gerais erforscht. Was sie dabei an Emotionen und Ereignissen kennen gelernt haben, kehrt in verwandelter Gestalt in einem Stück wieder, das nicht einfach von Kinderprostitution handelt, von Armut und erschreckender Einsamkeit, sondern Wahr- und Wirklichkeit in einfühlsame, auch ...

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Tanz Oktober 2005
Rubrik: On Stage, Seite 45
von Hartmut Regitz

Vergriffen