nürnberg: Goyo Montero: «Cinderella»

Fünfzehn Jahre, im Zeitraffer erzählt – so entsteht ein Bildersog, der allerfeinstes Tanztheater verspricht: Da findet ein Mann seine Liebste, spaziert mit ihr Hand in Hand, die beiden bekommen ein Kind, für ein paar Augenblicke leuchtet das Familienidyll, dann stürzt die Frau zu Boden, Witwer und Halbwaise bleiben zurück. Auf der nachtschwarzen Bühne des Nürnberger Opernhauses blendet Goyo Montero diese Schicksalsstationen zum «Cinderella»-Prolog hintereinander.

Danach allerdings hantiert der Choreograf, der die Tanzsparte des Staatstheaters seit 2008 auf Erfolgskurs steuert, allzu psychoprätentiös und bewegungseinfältig mit dem Märchenstoff.

Was nicht heißt, dass es seiner «Cinderella»-Variante an starken Momenten gebräche. Die graugefiederten Täubchen, die die Seelenunbill der leidgeprüften Titelheldin lindern, sie auf ihren Schwingen tragen und eine glitzerweiße Ballrobe herbeizaubern, lohnen das Hinschauen unbedingt. Auch die gestische Spiegelung zwischen Vater und Prinz erweist sich als kluge Idee, belebt sie doch das psychologische Prinzip, wonach die meisten Menschen nach Lebensgefährten Ausschau halten, die vertraute Kindheitsmuster doppeln. Schließlich begründet die ...

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Tanz Februar 2014
Rubrik: kalender und kritik, Seite 36
von Dorion Weickmann

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