illusionen

Noé Soulier seziert das Vokabular der Klassik und legt architektonische Prinzipien bloß. Er macht Ballett über das Ballett. Indem er die Schritte entkleidet, ändert sich die Bewegung radikal. Was geschieht dabei mit der Emotion des Zuschauers?

Noé Soulier, Sie gelten als junger Überflieger, lernten zuerst Ballett, gingen dann an die Ausbildungsschule P.A.R.T.S. nach Brüssel und studierten gleichzeitig Philosophie. Warum interessieren Sie sich für Ballett? Im Ballett wird Emotion von Bewegungen ausgelöst, hinter denen eine Technik steht, die Teil einer Systematik ist. Es scheint mir interessant zu sein, diese emotionale Konstruktion auf der Bühne neu aufzurollen, ohne eine Handlung darüberzulegen. Ich will, dass das Vokabular als solches in Erscheinung tritt.



Sie wenden sich an Anhänger des zeitgenössischen Tanzes, die diese Schritte gar nicht kennen. Ballettomanen wiederum suchen doch zuerst Poesie und Fantasie. Das stimmt, aber die reine Beschaffenheit dieser Schritte ist visuell reizvoll. Ich verwende außerdem nicht nur das Schrittmaterial, sondern auch das pantomimische Vokabular des Balletts. Mich interessieren Figuren, die sich über lange Zeit entwickelt haben und teils noch aus der Commedia dell‘Arte stammen und Volksgut sind. Denn sie spiegeln die Motorik und die gestischen Gewohnheiten der westlichen Welt wider. Von daher ist also ein Bezug zu allseits bekannten Mustern gegeben, die in jeden von uns eingesickert ...

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Tanz Jahrbuch 2015
Rubrik: Wahrheit, Schock, Nervenkitzel, Seite 66
von Thomas Hahn