newcomer: Tobias M. Draeger

Newcomer: Tobias M. Draeger

Der Mann ist eine Leuchte. Hält die Schreibtischlampe an ihrem Gelenkarm. Prompt kommt ein Hüsterchen aus dem Publikum, ein Stuhl macht knarzende Geräusche. Gute Vorlage, sofort vergewissern sich Lampe samt Spieler, was los ist. In Riga waren die Leute so mucksmäuschenstill, da musste Tobias M. Draeger auf der Bühne glatt verhungern. In Wien überfiel einen Zuschauer der Reizhusten, prompt tanzte Draegers Lampe Tarantella.

Schlicht bekleidet mit Unterhose, Netzstrümpfen, bärtig wie Robinson Crusoe, verlässt er sich  ganz auf seine Partnerin, die Lampe, die einen Schreibtisch entdeckt, zwei Bleistifte und sonst nichts. Mit derlei reduziertem Gesamtbestand, den der gebürtige Niederbayer aus dem Wort «Schreibtischlampe» herausliest, geht die Reise hinein in seinen 34-jährigen Körper: Die Gelenke der Lampe entsprechen seinen eigenen. Die Glühbirne im Haupt der Lampe verschlingt er mit dem Mund, trotz Hitze. Der Lampenschirm wird bei Vivaldis Cello Concerto zum stummen Megafon. Zu einem Song von Sufjan Stevens verwandelt sich Draeger in ein Hörgerät, unterm Tisch wird die Hymne der Chiemgauer Kultband LaBrassBanda intoniert: «Manchmal musst es einfach machen. Weil wennst es nicht machen ...

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Tanz April 2015
Rubrik: menschen, Seite 26
von Arnd Wesemann

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