Nachruf
Bob Curtis aus Mississippi, 1994 nach Österreich übersiedelt, war in gewisser Weise der Doyen der Wiener Tanzszene. Seine hagere Gestalt, sein ebenmäßiges Gesicht, seine Eleganz und Bescheidenheit machten Curtis nach fast 60 Jahren in Wien zum charismatischen Vertreter einer effektvollen Mischung aus afrikanischem Tanz, Ballett und Modern-Dance-Elementen. Bei all seinen Erfolgen – er blieb der große Schweigende.
Nicht nur als Leiter der Compagnia Afro Danza, die er in Rom von 1977 bis 1993 führte, war Curtis zurückhaltend, auch in Linz als Lehrer am Anton-Bruckner-Konservatorium und in Wien an der Ballettschule der Staatsoper.
Mit heller, metallisch dünner Stimme erzählte er von seinem Vater, der noch Sklave gewesen war, von George Balanchine, der ihn als einen der ersten schwarzen Schüler in die School of American Ballet aufgenommen hatte, von Katherine Dunham, mit der er die Karibik bereiste, und von José Limon, in dessen Ensemble er getanzt hatte. In den fünfziger Jahren stand Curtis im legendären Pariser Studio Wacker an der Stange, ehe er sich aufs Entertainment einließ und schließlich seinen «Afro Contemporary Dance» in Italien entwickelte. Am 9. Dezember ist Bob Curtis im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ratten stehen nicht unbedingt im Ruf, besonders gehorsame Wesen zu sein. Aber setzt man ihnen eine kleine Apparatur auf den Kopf, die ihre Neuronen stimuliert, werden sie so fügsam wie junge Tänzer im Ballettsaal. Senden Wissenschaftler elektronisch einen Befehl aus, erregt dieser ein bestimmtes Hirnareal, und die Ratte läuft nach rechts. Freiwillig, denn für...
Sie sind beide über 40 und haben alles längst erreicht: Respekt, fraglose Anerkennung, den Status als Pioniere des Tanzes: Jérôme Bel und Anne Teresa De Keersmaeker, der Franzose und die Belgierin, die je für sich das Solo neu erfanden. Nun, in «3Abschied», geht es um Gustav Mahlers «Lied von der
Erde», das De Keersmaeker schon 2007 in «Keeping Still – Part 1»...
Das Werk stammt vom Komponisten Leonid Desjatnikow, es ist Alexei Ratmanskys letzte Inszenierung in seiner Eigenschaft als künstlerischer Leiter des Bolschoi-Balletts, das er auf eigenen Wunsch verlassen hat (ein seltener Fall in der Geschichte dieses Theaters). Er wird sich nun ganz dem Chroreografieren widmen, in den USA, in Europa und in Russland.
Desjatnikow...
