mülheim an der ruhr: Pichet Klunchun «Nijinsky Siam»

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Feierlich tragen drei Tänzer gigantische goldene Puppen aus Thailand herein. Nang Yai werden sie genannt. Hinter ihnen ist der größte Star des westlichen Tanzes projiziert: Waslaw Nijinsky, der 1910 den «Danse siamoise» in Michail Fokins Ballett «Les
orientales» kreierte. Hundert Jahre später antwortet ihm der thailändische Choreograf Pichet Klunchun in Singapur mit «Nijinsky Siam».

Um 1900 tourte ein Großaufgebot asiatischer Künstler durch Europa, um jenen «Exotismus» zu repräsentieren, der im «Danse siamoise» seinen Widerhall fand.

Natürlich hatte Nijinskys Tanz kaum etwas mit der traditionellen Form des Lakhoan Khoal zu tun, eines komplexen thailändisch-kambodschanischen Tanzes, den die drei Tänzer Wachirawarakarn, Padung Jumpan und Klunchun hier im Original zeigen.

Sehr tief gehen sie in die Knie, sehr weit beugen sie sich zurück, sehr männlich sieht ihre strenge Balance aus. Sogar Elemente des Balletts scheinen unverkennbar, auch wenn statt hochfliegender Jetés spielerische Rückwärtsflips nach Art des «Ramayana» zu bestaunen sind. Man sieht, wie harmonisch die östliche Dynamik aus Ruhe und eruptiven Bewegungen auf die Idee des fließenden, kontinuierlich fortwirkenden westlichen ...

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Tanz Juli 2010
Rubrik: kalender: highlights, Seite 38
von Stephanie Burridge

Vergriffen
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