Mourad Merzouki: «Agwa», «Correira»

Frankreich

Brasilien ist längst das gelobte Land für Europas Choreografen geworden. Vor allem in den Favelas schürfen sie gern nach menschlichem Gold. Rachid Ouramdane fand dort Wunschinterpreten, und Storms HipHop-Herz schlägt für die Kompanie Discipulos do ritmo. Nun wurde auch Mourad Merzouki (Kompanie Käfig) an der Copacabana fündig.
Für die Companhia urbana de danza schuf er ein außergewöhnliches Stück. Die Begegnung mit den zehn B-Boys aus Rio erlaubte ihm, sich selbst neu zu erfinden.

«Sonst habe ich ja gern ein aufwändigeres Bühnenbild», sagt er, «aber unter den Bedingungen der Favela war das nicht drin». So entwickelte er diesmal ganz ohne Möbel, Zäune, Kisten, Puppen, Violinen, oder was er sonst so gern verarbeitet, seine bisher eindringlichsten Bilder. Da kommen Menschen auf die Bühne, Plastikbecher und Wasser. Sie bilden Ketten, Mosaike, Schlangen oder Spiralen.
Im Subtext erzählt «Agwa» die Lebensgeschichte der zehn aus der Favela, die alle Energie in den Tanz legen. Darüber finden sie zusammen und bauen sich eine neue Identität auf. Merzouki schafft es tatsächlich, ein Kollektiv zu präsentieren, in dem jedes Individuum präsent bleibt, ohne sich in den Vordergrund drängen zu ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2010
Rubrik: Kalender, Seite 47
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Éric Oberdorff: Etre

Éric Oberdorff ist noch immer ein Geheimtipp. Dabei läuft im Theater Hagen schon seit Wochen sein Stück «Libre» aus dem Jahr 2008, schon 2001 gewann er mit «Impression lumières fugitives» den 1. Preis beim Int. Wettbewerb für Choreografen in Hannover. Aber weil er in Nizza lebt und nicht in Paris, weil er in Gießen choreografiert – allerdings auch in Mainz zu sehen...

Sankai Juku

Jeder Künstler kehrt irgendwann zurück zu seinen Wurzeln. Jahre-, jahrzehntelang produziert man für den Publikumsgeschmack oder den der Förderer und öffentlichen Geldgeber. Man bestätigt Erwartungen, die man selbst geschürt hat. Hinterfragt auch nicht mehr plakative Pauschalurteile, sondern reproduziert sie geflissentlich. Never change a winning style? Aber...

Im Irr-Garten

Eine Allee mit kugelförmigen Buchsbäumen begrenzt die Bühne und lenkt den Blick in die Tiefe des Raums. Zwischen den Bäumen weisen schmale Schlitze kleine Ausgänge ins Unbekannte. Links trennt eine Wand mit Fenstern den Bühnenraum, eine Frau in klatschmohnrotem Kleid setzt sich mit ihrem Partner in Szene. Elegant schreitet eine zweite Dame im Zeitlupentempo über...