Motion bank

William Forsythe

Ausgebuht wurde er in seiner Spielstätte, dem Bockenheimer Depot in Frankfurt, für sein verbales Konzert «Theatrical Arsenal II». Als er selbst ans Mikrofon trat und dem Publikum erklärte, dass er «Sprache choreografiert», war es zufrieden, denn es hatte den charismatischen Meister in Persona erlebt, der zum Jahreswechsel sechzig Jahre alt wurde und nun 1,4 Millionen Euro von der Kulturstiftung des Bundes für seine digitale Tanzbibliothek «Motion Bank» erhalten hat.

Im Gegenzug will er darauf verzichten, sein gewaltiges choreografisches Werk den eigenen Angehörigen zu vererben – aus Rücksicht. Wie er der «Frankfurter Rundschau» mitteilte, würde sein Werk in Deutschland für die Erbschaftssteuer pauschal taxiert, die seine Nachkommen ruinieren würde.
Darum droht er mit einem Aufführungsverbot nach seinem Tod, das er ähnlich wie Merce Cunningham testamentarisch festsetzen will – anstatt seine Forsythe Foundation in New York zu bedenken. Ihr erklärtes Ziel ist es doch, seine Choreografien zugänglich und lehrbar zu machen. Sie dürfte auch die Adresse des Geldes sein, um sein Werk in digitale Partituren zu übersetzen. Auch will er je ein Stück von Anne Teresa De Keersmaeker, Deborah Hay ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2010
Rubrik: Menschen, Seite 28
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tanzplattform

Es muss schon Mitternacht gewesen sein, als eine Tanzveranstalterin sich ein Herz fasste, ein DIN-A4-Papier aus der Tasche zog und es ehrfürchtig unter dem Tisch hergab. «Das sind sie», flüsterte sie. Der Zettel notierte elf Produktionen und damals 48 Namen. Diese Produktionen seien zur Tanzplattform 2010 eingeladen. Die Namen, die noch auf 50 erhöht würden, seien...

Itzik Galili: «Different Stories»

Mit flügelartig ausgebreiteten Armen springen die Tänzer hoch ins Licht. Geblendete Falter, gefangene Freiheitssucher, eingeschnürt in gefältelte Korsette wie fahle Zwangsjacken. Itzik Galili erzählt als Gastchoreograf des Balletts Kiel seine «Different Stories» vornehmlich im Dunkeln. Weiße Scheinwerferstrahlen von schräg oben oder von der Seite, ausgeklügelt...

Tanz häppchenweise

Rotes T-Shirt, Pferdeschwanz, Hornbrille, Pumphöschen: Rachel Krische wirkt wie die Karikatur einer jungfräulichen Lehrerin, die ihre Ferien pflichtbewusst mit Mutter verbringt. Zuletzt zeigte sie beim Fes­tival «Nottdance» in Nottingham «The Swimmer», ein Solo, das auf den Instruktionen von Deborah Hay, der Ikone des Judson Dance Theater, beruht. Seit 1998...